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Corona-Kreuz statt Kegeltour

Corona Kreuz

Schönau „Die wackeligen Pinne“ schaffen Anlaufstelle für von der Pandemie betroffene Menschen

Fundstück aus dem Ruhrgebiet findet bedeutsamen Platz
am „Nocken“.

yve ■  Wolfgang Schönauer erzählt von dem Fund, den sein Freund und Kegelbruder Herbert Munschek im Nachlass seines Vaters gefunden hat. Bei der Haushaltsauflösung im Ruhrgebiet habe er ein 1,20 Meter großes Kruzifix entdeckt. Dass Munscheks Vater es in seinem Besitz gehabt habe, hänge vermutlich mit seinem damaligen Beruf zusammen. „Er war als Bestatter tätig.“

Herbert Munschek nimmt das Kreuz mit nach Schönau, noch unwissend, welche große Bedeutung es zweieinhalb Jahre später haben sollte. Er übergibt den Fund zunächst an Kegelbruder Kunibert Halbe, den Küster der St.-Elisabeth-Kirche, vorübergehend bewahrt dieser das Kreuz im Schönauer Gotteshaus auf. Zu einem Treffen des Kegelclubs „Die wackeligen Pinne“ im Gasthof Wurm („Bützers“) bringt er ein Foto von dem Fundstück mit und zeigt es den Männern. „Wir haben überlegt, was wir mit dem Kreuz Sinnvolles machen könnten“, erinnert sich Schönauer. Und plötzlich erwächst aus dem Kegelabend ein Gemeinschaftprojekt mit großer Symbolkraft. „Die wackeligen Pinne“ entscheiden sich, den Fund in ein Corona-Kreuz umzufunktionieren. „Wir konnten uns das ja leisten“, so Wolfgang Schönauer. Aufgrund der Pandemie habe der Club zwei Jahre nicht auf Tour fahren können. Jetzt hat er das Geld anderweitig verwendet, ein Projekt realisiert, das Anlaufstelle für Menschen aus der gesamten Gemeinde Wenden sein soll.

Bekanntlich hat die Corona-Krise den Alltag massiv verändert – mit teils drastischen Folgen, ob schwere Krankheitsverläufe, Langzeitfolgen, Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19, Depressionen, existentielle Bedrohungen und mehr. Wer Sorgen und Ängste hat oder für Freunde und Familienmitglieder beten möchte, ist nun eingeladen, zum Kreuz zu kommen. Es steht seit etwa drei Wochen in der Nähe des Reiterhofs Wörner an einer Weggabelung in Richtung Sportplatz oder Friedhof. „Dort herrscht ordentlich Betrieb“, bezieht sich Schönauer auf viele Wanderer und Spaziergänger, die den „Nocken“ passieren – eine gut erreichbare Örtlichkeit nebst Ruhebank der Dorfgemeinschaft. Der Grundstückseigentümer, so Schönauer, habe sich direkt bereiterklärt, die nötige Fläche für das Corona-Kreuz zur Verfügung zu stellen.

Die Errichtung des Corona-Kreuzes sei ,eine gute Idee, eine starke Idee’.

Dr. Claudius Rosenthal

Diakon

Das Kreuz mit Korpus aus dem Nachlass geht nun eine Verbindung mit einem in der Wendener Firma Koch gezimmerten Wegekreuz mit Kupferdach ein. Beim Setzen des Fundaments hätten alle Mitglieder des Clubs mit angepackt, „es gab auch ein Bierchen und Pizza“, denkt Schönauer an einen der geselligen Arbeitseinsätze der Gruppe. Bereits über vier Jahrzehnte lässt sie bei „Bützers“ die Kugeln rollen.

„Das Kreuz ist richtig schön geworden“, und für den dekorativen Blumenschmuck habe Roswitha Koch gesorgt. Aus der Ortschaft hören „Die wackeligen Pinne“ viel Lob. „Die Schönauer sind sehr begeistert.“

Die Einsegnung des Corona-Kreuzes am Samstag war auch für Diakon Dr. Claudius Rosenthal etwas nicht Alltägliches. In seiner Ansprache ging er zunächst auf die große Bedeutung von Kreuzen ein. „Warum sind sie so wichtig?“ Für Theologen liege die Antwort auf der Hand. In der Bevölkerung werde das Kreuz jedoch mit Selbstverständlichkeit in die tägliche Routine getragen, so Rosenthal und an den Kegelclub gerichtet: „Ihr wollt es auch bewusst als ein Zeichen in den Alltag verstanden wissen. Und zwar in einen Alltag, der seit fast zwei Jahren von der Pandemie geprägt ist.“

Die Errichtung des Corona-Kreuzes sei „eine gute Idee, eine starke Idee“. Bei der Einsegnung habe eine ganz besondere Atmosphäre geherrscht, so der Diakon im Gespräch mit der SZ. „Es war bereits dunkel“, die Männer des Kegelclubs hätten mit Fackeln die Szenerie in warmes Licht getaucht. Und an sonnigen Tagen sei das Leuchten des Kupferdaches schon aus der Ferne zu sehen.

 

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